„Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Welt verändert. Es kommt zu einem Umdenken, und man kann jetzt Dinge sagen, für die man noch vor einigen Monaten vom Hof gejagt wurde.“, so Birke Bull am Anfang der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Wie viel Kapitalismus verträgt mein Erspartes“. Manchmal behält man ungern Recht, aber schon im Herbst 2008 hat die LINKE die Frage: Wird die Finanz- zu einer Wirtschaftskrise? im Landtag thematisiert und wurde dafür verteufelt. Aber auch jetzt noch ist linkes Gedankengut nicht gefragt. Stattdessen präsentieren sich Lösungsansätze als „alter Wein in neuen Schläuchen“. Verluste werden weiterhin sozialisiert, Gewinne privatisiert. Die LINKE hat es bisher nicht vermocht, aus den Enttäuschungen über die Auswirkungen der Krise, Zustimmung für die eigenen Konzepte zu gewinnen.
Guido Henke erklärte in seinem Vortrag die Entstehungsgeschichte und die Ursachen der derzeitigen Krise und erläuterte deren Auswirkungen. Sowohl die, die uns schon erreicht haben, als auch die, die uns wahrscheinlich noch bevor stehen. Natürlich wurden auch Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise in 20er Jahren gezogen. Verwundert äußerte sich Guido Henke über die Ruhe, die im Land noch herrscht. Offensichtlich ist es der Regierung gut gelungen, durch hektisches Agieren zu suggerieren, dass sie alles im Griff hat. Sicherheit für die Spareinlagen, Rettungsschirm für die Banken, geschnürte Konjunkturpakete, alles wurde in Rekordzeit auf die Beine gestellt. Früher als Teufelszeug verdammte Staatsschulden wurden in Schwindel erregender Höhe gemacht. Innerhalb von Tagen.
In der Diskussion kam die Überzeugung zum Ausdruck, dass diese Krise eine große Gefahr für die Demokratie ist. Ein Volk, das Angst um die eigene Sicherheit und Existenz hat, ist leicht zu regieren. Die vermeintliche Terrorismusbekämpfung hat schon einen leichten Vorgeschmack darauf gegeben, wie leicht Menschen bereit sind, auf demokratische Rechte zu verzichten. Deshalb meinte auch Guido Henke: Wir stehen vor einer Krise. Sie fängt erst noch an (vermutlich allerdings erst nach dem 27. September, dem Tag der Bundestagswahl).
Nach einem Ausblick auf die Zukunft mit strategischen Kämpfen um Rohstoffe, Nahrung, Wasser, Absatzmärkte und Transportwege sank der Grad an Hoffnung im voll besetzten Wahlkreisbüro vollends in den Keller.
Am Ende des Abends verwies Guido Henke dann auf die Positionen der LINKEN, die da u.a. heißen: Verhinderung der Privatisierung der Gewinne, Änderung des Bilanzierungsrechts, Stärkung der Finanz- und Bankenaufsicht, Verhinderung von Leerverkäufen, Stärkung der Kaufkraft, um nur einige zu nennen.