Bildung stärken heißt Zukunft sichern – Spendenübergabe an Schönebecker Schulen

Natalie Nagel

Am 8. April 2026 besuchten Natalie Nagel, Landtagskandidatin im Wahlkreis, Sabine Dirlich, Fraktionsvorsitzende der Fraktion Die Linke im Kreistag, und David Schliesing, Mitglied des Bundestags, zwei Schulen in Schönebeck, um Spenden aus Mitteln der Salzlandsparkasse zu übergeben. Die Sparkasse verfolgt dabei ein Prinzip, das sich deutlich von dem privater Banken unterscheidet: Überschüsse fließen nicht an Aktionäre, sondern werden in die Region reinvestiert. Über die Verwendung dieser Mittel entscheiden auch die Fraktionen des Kreistages, denen in diesem Jahr insgesamt 12.500 Euro zur Verfügung stehen. Die Fraktion Die Linke hat die ihr zur Verfügung stehenden Gelder bewusst mit einem Schwerpunkt auf Bildung und soziale Infrastruktur verteilt.

Die Entscheidung, zwei Schulen in Schönebeck zu unterstützen, ist dabei kein Zufall. Beide Einrichtungen stehen beispielhaft für eine Bildungsarbeit, die sich an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler orientiert und gesellschaftliche Verantwortung ernst nimmt – wenn auch unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen.

Die Sekundarschule „LebenLernen“ zeigt, wie Schule als Ort der Selbstermächtigung gestaltet werden kann. Ihr pädagogisches Konzept setzt konsequent auf Selbstorganisation, Eigeninitiative und Selbstwirksamkeit. Die Schülerinnen und Schüler planen ihren Lernprozess eigenständig, setzen sich Ziele, reflektieren ihre Fortschritte und werden dabei von Lehrkräften begleitet, die sich als Unterstützer und Berater verstehen. Lernen wird hier nicht als passiver Prozess betrachtet, sondern als aktive Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt.

Besonders prägend ist dabei die Lernumgebung. Unterschiedliche Lernorte wie Ateliers, offene Arbeitsbereiche und kooperative Räume ermöglichen individuelles und gemeinschaftliches Arbeiten gleichermaßen. Schule wird nicht auf den Klassenraum reduziert, sondern als Lebensraum verstanden, der Entwicklung in vielerlei Hinsicht ermöglicht.

Doch es ist nicht nur das pädagogische Konzept, das diese Schule auszeichnet. Es ist vor allem ihre klare Haltung. Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ versteht sich die Einrichtung als aktiver Teil einer demokratischen und offenen Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Demokratie, Gleichberechtigung und Feminismus ist dabei kein Zusatz, sondern fester Bestandteil des Schulalltags. In einer Zeit, in der rechte Ideologien wieder stärker um sich greifen und gesellschaftliche Vielfalt zunehmend angegriffen wird, ist eine solche Haltung alles andere als selbstverständlich. Sie ist Ausdruck einer antifaschistischen Praxis, die junge Menschen stärkt und ihnen Orientierung gibt.

Die übergebenen Mittel sollen ganz konkret in den weiteren Ausbau des neuen Schulhofs fließen. Dieser wird nicht nur als Pausenfläche, sondern auch als sozialer und pädagogischer Raum verstanden, der Begegnung, Bewegung und gemeinsames Lernen ermöglicht. Damit unterstreicht die Schule ihren Anspruch, Lernen ganzheitlich zu denken und Räume aktiv in pädagogische Prozesse einzubeziehen.

Ein anderes, aber nicht weniger wichtiges Bild bot sich beim Besuch an Förderschule Lindenstraße. Hier steht der einzelne Mensch mit all seinen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Ziel der pädagogischen Arbeit ist es, den Schülerinnen und Schülern ein möglichst selbstständiges Leben und echte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Der Unterricht ist stark individualisiert, praxisnah und darauf ausgerichtet, die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Kindes zu fördern.

Die Schule schafft einen Raum, in dem Wertschätzung, Geduld und Verlässlichkeit die zentralen Grundlagen des Miteinanders sind. Der Unterricht wird durch vielfältige Angebote ergänzt, die weit über klassische Bildungsinhalte hinausgehen. Durch Kooperationen mit externen Partner:innen sowie therapeutischen Angeboten und praktischen Lernformaten werden den Schüler:innen Perspektiven eröffnet und ihre Selbständigkeit gestärkt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Reittherapie, die für viele von ihnen eine wichtige Unterstützung in ihrer Entwicklung darstellt. Die übergebenen Mittel – darunter auch ein Scheck, den David Schliesing überreichte – sollen dazu beitragen, dieses Angebot fortzuführen und langfristig zu sichern. Gerade solche Angebote zeigen, wie ganzheitliche Förderung gelingen kann, wenn pädagogische und therapeutische Ansätze zusammenwirken.

Hier wird jedoch auch deutlich, wo die Grenzen des Engagements vor Ort liegen. Trotz der hohen fachlichen Qualität und des großen Einsatzes fehlt es an struktureller Unterstützung. Besonders gravierend ist der Mangel an Schulsozialarbeit – ausgerechnet an einer Schule, an der diese Unterstützung von zentraler Bedeutung wäre.

Natalie Nagel machte dies bei ihrem Besuch unmissverständlich deutlich:
„Inklusion bedeutet nicht, Kinder einfach irgendwo unterzubringen. Inklusion bedeutet, ihnen die Unterstützung zu geben, die sie wirklich brauchen. Und dazu gehört ganz klar auch Schulsozialarbeit. Dass gerade an einer Förderschule diese Unterstützung fehlt, ist nicht hinnehmbar.“

Diese Aussage verweist auf ein grundlegendes Problem: Inklusion wird politisch betont, in der Praxis bleibt sie jedoch oft unzureichend umgesetzt. Ohne die notwendigen Ressourcen droht sie zu einem leeren Versprechen zu werden. Schulsozialarbeit ist dabei kein Zusatzangebot, sondern ein entscheidender Baustein, um individuelle Förderung zu ermöglichen, Familien zu unterstützen und Krisen frühzeitig zu begegnen.

Die Besuche an beiden Schulen zeigen eindrücklich, wie viel Engagement, Fachlichkeit und Überzeugungskraft in der Bildungsarbeit vor Ort vorhanden sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass dieses Engagement strukturelle Defizite nicht dauerhaft ausgleichen kann. Weder innovative pädagogische Konzepte noch persönlicher Einsatz können fehlende Ressourcen, unzureichende Finanzierung oder Personalmangel kompensieren.

Für Die Linke ergibt sich daraus ein klarer politischer Auftrag. Bildung muss verlässlich finanziert, soziale Unterstützung flächendeckend gewährleistet und inklusive Strukturen müssen konsequent ausgebaut werden. Schulen dürfen nicht davon abhängig sein, ob einzelne Projekte gefördert werden oder nicht. Sie brauchen Planungssicherheit und die Ressourcen, um ihrem Auftrag gerecht werden zu können.

Gerade in Sachsen-Anhalt, wo viele Regionen mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert sind, ist eine starke öffentliche Bildungsinfrastruktur von erheblicher Bedeutung. Schulen sind nämlich nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch Räume, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht, demokratische Werte vermittelt werden und junge Menschen lernen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Die Spenden der Salzlandsparkasse leisten einen wichtigen Beitrag. Sie ermöglichen konkrete Projekte und unterstützen engagierte Einrichtungen vor Ort. Gleichzeitig darf jedoch nicht aus dem Blick geraten, dass solche Mittel strukturelle Verantwortung nicht ersetzen können.

Die Spendenübergaben in Schönebeck haben uns gezeigt, was möglich ist, wenn Engagement auf Unterstützung trifft. Sie zeigen aber ebenso klar, wo politischer Handlungsbedarf besteht. Gute Bildung ist kein Zufallsprodukt – sie ist das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen.

Daran wird sich messen lassen müssen, wie ernst es der Politik mit Chancengleichheit, Inklusion und einer demokratischen Gesellschaft wirklich ist.