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Foto: privat

Lars Lehmann

DIE LINKE gedenkt in Güsten der Reichspogromnacht

Trotz Corona-Pandemie fand das traditionelles Gedenken der LINKEN in Saale-Wipper zur Reichspogromnacht, in diesem Jahr ursprünglich als gemeinsame Veranstaltung zusammen mit der Stadt und mit Gästen geplant, am 9. November auf dem jüdischen Friedhof in Güsten statt. Aufgrund der Kontaktbeschränkung legte der Ortsvorsitzende Lars Lehmann im Namen der Partei einen Kranz nieder.
„Auch in Zeiten der Pandemie darf das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden. Dies darf niemals geschehen“, so die LINKE Kreisvorsitzende Henriette Krebs, die nicht vor Ort sein konnte, aber als Rednerin bei der Veranstaltung vorgesehen war. Sie erklärt weiter: „Der 9. November 1938 war der Tag, an dem die Synagogen brannten. Es war der Tag, an dem das nationalsozialistische Regime seine Maske fallen ließ und zeigte, dass es willens war, seinem bereits begonnenen Antisemitismus in die Tat umzusetzen. "Reichskristallnacht" nannten die Nazis diese Gewaltexzesse gegen unschuldige Bürgerinnen und Bürger. "Pogromnacht" ist der Begriff, den wir heute verwenden.“
Mit Blick auf den Ort des Gedenkens verweist die Kreisvorsitzende auf ein Güstener Opfer des nationalsozialistischen Terrors: „Dr. Arno Phillipsthal stammte aus Güsten, wo sein Vater auch ein Textilgeschäft betrieb. Zur Schule ging er in Bernburg in das Gymnasium Carolinum. Dr. Phillipsthal war ein Arzt mit einer sozialen Ader. So berechnete er sein Honorar nach dem Einkommen seiner Patienten, oft behandelte er Arme auch kostenlos. Sein einziges Vergehen war es, dass er ein Mensch mit jüdischem Glauben war. Er wurde am 21. März 1933 aufgrund von Verleumdungen in Berlin von SS-Männern festgenommen und starb am 3. April 1933 infolge schwerster Misshandlungen in Haft. In der Reichspogromnacht vom 9. November auf den 10. November steigerten sich die Gewaltexzesse um ein Vielfaches: Synagogen, Betstuben und Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört, mehr als 400 Menschen erschlagen und über 30.000 jüdische Männer festgenommen und in Konzentrationslager gebracht.“
Abschließend erklärt die Kreisvorsitzende Henriette Krebs mit Blick auf die jüngste Vergangenheit: „Nach den Anschlägen am 09. Oktober 2019 in Halle und am 19. Februar 2020 in Hanau können wir den 09. November 1938 nicht als Vergangenheit abtun. Unsere jüngste Vergangenheit zeigt uns, wie aus Rassismus und Antisemitismus Hass wird und aus diesem Hass Gewalt und Tod gegen Mitbürgerinnen und Mitbürgern erwächst. Zwar mögen die Taten in Halle und Hanau Taten von Einzeltätern sein, aber diese Einzeltäter waren nicht allein. Denn sie stießen auf ein gesellschaftliches Klima, wo Rassismus und Antisemitismus wieder salonfähig sind und sie sich in ihren Taten bestärkt fühlen. Es ist daher die Aufgabe eines jeden Einzelnen sich an die unfassbaren Taten der Nazis zu erinnern und dem heutigen Rassismus und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten, damit aus dem „Nie wieder“ nach Halle und Hanau auch wirklich ein „Nie wieder“ wird.“