Einblick in die Realität der Suchthilfe – Politik im Praxischeck
Auf Einladung der AWO Sachsen-Anhalt und der AWO Salzlandkreis e.V. fand in der Suchtberatungsstelle des Kreisverbandes ein besonderes Format statt: ein „Speed-Dating-Praktikum“ für Politiker:innen. Ziel war es, in kurzer Zeit einen möglichst realistischen Einblick in die tägliche Arbeit der Suchthilfe zu erhalten – praxisnah, konkret und im direkten Austausch mit Fachkräften und Betroffenen.
Nach einer Einführung durch die Geschäftsführerin des Kreisverbandes AWO Salzland e.V., Ines Grimm-Hübner, erhielten die Teilnehmenden einen umfassenden Überblick über die Arbeit der Beratungsstellen. Deutlich wurde dabei, wie breit das Angebot aufgestellt ist: von der Beratung bei Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit über Unterstützung bei Verhaltenssüchten wie Glücksspiel- oder Internetsucht bis hin zu Hilfen bei Ess- oder Kaufsucht. Die Angebote sind freiwillig, kostenfrei und unterliegen der Schweigepflicht – ein zentraler Baustein, um Vertrauen aufzubauen.
Neben Informationsgesprächen und individueller Beratung zählen auch langfristige Begleitungen, Krisenintervention, Nachsorge, Prävention sowie die Vermittlung in weiterführende Hilfen zum Alltag der Fachkräfte. Auch Gruppenangebote, Angehörigenarbeit und Programme wie Raucherentwöhnung oder ambulant betreutes Wohnen zeigen, wie umfassend Suchthilfe gedacht werden muss. Mit digitalen Angeboten wie „DigiSucht“ werden zudem neue Wege gegangen, um Menschen niedrigschwellig zu erreichen.
Im praktischen Teil wurden die Politiker:innen in Gruppen aufgeteilt. Unsere Landtagskandidatin Natalie Nagel arbeitete in ihrer Gruppe gemeinsam mit René Wölfer von der SPD. Anhand eines anonymisierten Fallbeispiels entwickelten die Gruppen eigene Lösungsansätze und diskutierten mögliche Wege der Begleitung. Die anschließende Auswertung durch eine Psychologin der Beratungsstelle machte deutlich, wie komplex die Realität ist und wie wichtig fachliche Erfahrung, Kontinuität und Vertrauen in der Arbeit mit suchtkranken Menschen sind.
Ein besonders eindrücklicher Programmpunkt war die Teilnahme an einer therapeutengeleiteten Motivationsgruppe. Hier konnten die Politiker:innen mit Betroffenen ins Gespräch kommen und Einblicke in persönliche Lebensgeschichten gewinnen. Die Offenheit und die respektvolle Atmosphäre waren sehr beeindruckend.
Im Anschluss betonte Natalie die politische Dimension dieser Arbeit: „Suchthilfe ist ein unverzichtbarer Teil unserer sozialen Infrastruktur. Sie entscheidet oft darüber, ob Menschen wieder Stabilität in ihrem Leben finden. Gleichzeitig wird hier unter enormem Druck gearbeitet. Wenn wir wollen, dass Hilfe rechtzeitig ankommt, brauchen wir eine verlässliche Finanzierung, ausreichend Personal und Strukturen, die nicht erst greifen, wenn es zu spät ist.“
Das Praktikumsformat machte deutlich, wie gewinnbringend der Austausch zwischen Politik und Praxis ist. Die gewonnenen Einblicke unterstreichen, dass Suchthilfe nicht nur Engagement vor Ort, sondern auch klare politische Unterstützung braucht, um langfristig wirksam zu bleiben.

