Erinnerung, die berührt - Schüler setzen Zeichen des Gedenkens

Henriette Krebs

Am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, führten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Carolinum in der Bernburger Gedenkstätte eine szenische Lesung durch. Unter dem Titel „Abgeholt – aus dieser Stadt“ erinnerten sie an Menschen, die während der NS-Zeit aufgrund psychischer Erkrankungen verfolgt und ermordet wurden. Ziel der Veranstaltung war es, den Opfern ein Gesicht zu geben und ihre Schicksale sichtbar zu machen. An der Lesung nahmen auch zahlreiche Genossinnen und Genossen aus dem Ortsverband Region Bernburg teil.

Im Mittelpunkt standen die Lebensgeschichten von Alfred Mühlhausen, Ida Böhm und Erich S., die alle aus Bernburg stammten. Anhand originaler Quellen zeichneten die Schüler ihre Lebenswege nach. Die drei Betroffenen wurden zunächst in verschiedene Heil- und Pflegeanstalten eingewiesen, bevor sie nach Bernburg zurückgebracht und dort ermordet wurden. Die Recherchen zeigten, wie systematisch diese Verbrechen durchgeführt und durch gefälschte Angaben in den Akten verschleiert wurden. Bis heute ist unklar, wie viele Menschen insgesamt Opfer dieser sogenannten „Euthanasie“-Morde wurden, da viele Unterlagen unvollständig oder verloren sind.

Die szenische Lesung wurde bereits zum dritten Mal von Schülern des Gymnasiums Carolinum gestaltet und ging auf eine Initiative der ehemaligen Gedenkstättenleiterin Dr. Ute Hoffmann zurück. Seit September hatten die Beteiligten in Gruppen gearbeitet, Dokumente ausgewertet und eigene Texte verfasst, darunter Prologe und Epiloge zu den einzelnen Biografien.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch Werke von Chopin, Mozart und aus dem Film „Schindlers Liste“. Die gemeinsame Kranzniederlegung aller Anwesenden schloss das Gedenken ab. Den beteiligten Schülerinnen und Schülern gilt ein besonderer Dank für ihr großes Engagement und ihren sensiblen Umgang mit diesem wichtigen Thema.