Erinnerungen an das KZ-Außenlager „Julius“ in Schönebeck

Natalie Nagel

An der Barbyer Straße in Schönebeck befindet sich an einer unscheinbaren Mauer eine Gedenktafel mit der Inschrift: „Niemals vergessen – hier errichteten die Faschisten 1943 ein Nebenlager des KZ Buchenwald“. Bis 1945 mussten Zwangsarbeitende an diesem Ort in vier Arbeitshallen unter unmenschlichsten Bedingungen Flugzeugteile für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke herstellen, um die Kriegsindustrie der Nazis am Laufen zu halten. 

Die Zahl der Inhaftierten betrug bis zu 1.800. Wie viele Menschen in dieser Zeit Hinrichtungen und der Vernichtung durch Arbeit zum Opfer fielen, ist nicht dokumentiert. Am 11. April 1945 wurde das Lager wegen heranrückender Truppen der U.S. Army evakuiert und 1.120 Häftlinge wurden auf einen Todesmarsch geschickt. Von diesen wurden Anfang Mai 1945, 40 Kilometer südlich von Schwerin bei Parchim, noch 300 bis 400 Überlebende von alliierten Truppen befreit. 

Zum 25. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1970 wurde auf Initiative des VEB Traktorenwerks Schönebeck, das zu dieser Zeit auf dem Gelände seinen Sitz hatte, das Mahnmal eingeweiht, um der Opfer des Lagers zu gedenken. Es handelt sich um eine rund vier mal zwei Meter große Waschbetonwand, auf deren linker Seite drei rötliche Dreiecke an die Winkel erinnern, die die Gefangenen an ihren Jacken tragen mussten. Unter der Gedenktafel befand sich eine zweite, auf der zu lesen war: „Wir schufen hier für den friedlichen Wiederaufbau das Traktorenwerk.“ Diese Plakette wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt entwendet und fehlt seitdem. 

In den Neunzigerjahren gab es an der Erinnerungsstätte noch regelmäßig Gedenkveranstaltungen, doch seitdem verlor der Ort an Aufmerksamkeit. 

Stadträtin Anne Schönemann wollte dies ändern und am Jahrestag der Auflösung des Arbeitslagers der Opfer gedenken. Deshalb reinigten wir vom Ortsverband Elsaland die Mauer am Vortag des 11. Aprils mit einem Hochdruckreiniger, schrubbten die Details und sammelten herumliegenden Müll ein. Am Jahrestag selbst legten wir gemeinsam mit anderen Mitgliedern unserer Stadtratsfraktion Blumen nieder und hielten eine Schweigeminute ab. Anne Schönemann hielt eine bewegende Rede. 

Wir möchten diese Gedenkstätte und das, wofür sie steht, wieder stärker ins Bewusstsein rücken und sie nun regelmäßig pflegen. Ein weiteres Ziel ist der Ersatz der verschwundenen Bronzeplatte. Solche lokalen Plätze der Erinnerung sind wichtig, da sie zeigen, dass die Gräuel des Faschismus nicht nur an wenigen Orten stattfanden, sondern direkt vor den Haustüren der Menschen.