Frauenrechte stärken Demokratie – Frauenpolitisches Frühstück im Landtag
Auf Einladung der Landtagsfraktion Die Linke Sachsen-Anhalt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt fand am 06. Mai 2026 im Landtag von Sachsen-Anhalt ein frauenpolitisches Frühstück statt. Eingeladen hatten die Fraktionsvorsitzende Eva von Angern sowie Sabine Dirlich. Unter dem Motto „Frauenrechte stärken unsere Demokratie!“ kamen zahlreiche Frauen aus Politik, Vereinen, Beratungsstellen, Initiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, um sich über aktuelle frauenpolitische Herausforderungen auszutauschen und gemeinsam Perspektiven für die kommende Legislaturperiode zu entwickeln.
Schon in der Einladung wurde deutlich, worum es an diesem Tag gehen sollte: Frauenrechte sind keine Selbstverständlichkeit. Sie wurden über Jahrzehnte erkämpft – und stehen heute wieder zunehmend unter Druck. Rechtskonservative und rechtsextreme Kräfte greifen Gleichstellungspolitik, feministische Errungenschaften und gesellschaftliche Vielfalt offen an. Umso wichtiger seien Vernetzung, Solidarität und gemeinsame politische Strategien, betonte die Landtagsfraktion.
Im Mittelpunkt des Frühstücks stand die Vorstellung der aktuellen Studie „Femizide in Deutschland – Eine empirisch-kriminologische Untersuchung zur Tötung an Frauen“. Die Studie, die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert und von Frau Sabine Maier (M.A.) vorgestellt wurde, untersucht erstmals umfassend geschlechtsmotivierte Tötungen an Frauen in Deutschland und beleuchtet dabei sowohl die sozialen Hintergründe als auch die juristische Bewertung solcher Taten.
Der Begriff „Femizid“ beschreibt dabei nicht einfach irgendein Tötungsdelikt an Frauen, sondern Tötungen, die aus Frauenhass, patriarchalem Besitzdenken oder dem Wunsch nach Kontrolle und Dominanz heraus begangen werden. Die Studie macht deutlich, dass viele dieser Taten nicht als Einzelfälle verstanden werden dürfen, sondern Ausdruck struktureller Gewalt gegen Frauen sind.
Besonders eindrücklich war die Diskussion darüber, wie häufig Warnzeichen bereits lange vor den Taten sichtbar waren und wie wichtig funktionierende Hilfestrukturen, Frauenhäuser, Beratungsstellen und Präventionsarbeit sind. Gleichzeitig wurde kritisch hinterfragt, inwiefern geschlechtsspezifische Motive bislang überhaupt ausreichend durch Polizei und Justiz berücksichtigt werden.
Neben dem wissenschaftlichen Input stand vor allem der Austausch im Mittelpunkt. Frauen aus unterschiedlichen Generationen und politischen Zusammenhängen berichteten von ihren Erfahrungen aus der Gleichstellungsarbeit, aus Beratungsstrukturen, Gewerkschaften, sozialen Projekten und der Kommunalpolitik. Dabei wurde deutlich: Frauenpolitische Kämpfe sind noch lange nicht abgeschlossen. Themen wie Gewalt gegen Frauen, ungleiche Bezahlung, Altersarmut, fehlende Schutzräume, Care-Arbeit oder antifeministische Angriffe beschäftigen viele Engagierte täglich.
Besonders wertvoll war zugleich die Mischung aus erfahrenen Akteurinnen und jungen Frauen, die erst seit kurzer Zeit politisch oder gesellschaftlich aktiv sind. Viele nutzten die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, sich zu vernetzen und voneinander zu lernen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung wurde deutlich, wie wichtig solidarische Räume für Austausch und gegenseitige Unterstützung sind.
Eva von Angern machte in ihrer Begrüßung deutlich, dass Frauenpolitik immer auch Demokratiepolitik sei. Wer Frauenrechte angreife, greife demokratische Grundwerte an. Deshalb brauche es weiterhin eine starke parlamentarische und außerparlamentarische Stimme für Gleichstellung, Selbstbestimmung und Schutz vor Gewalt.
Auch Sabine Dirlich betonte die Bedeutung feministischer Netzwerke und erinnerte daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt nie selbstverständlich sei, sondern immer wieder neu verteidigt werden müsse.
Das frauenpolitische Frühstück machte deutlich: Feministische Politik bedeutet weit mehr als einzelne Gleichstellungsmaßnahmen. Es geht um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen – in einer Gesellschaft der Solidarität, Teilhabe und Sicherheit oder in einer Gesellschaft, in der alte Rollenbilder und Ausgrenzung wieder an Einfluss gewinnen.
Gerade deshalb war die Veranstaltung nicht nur ein Ort des Austauschs, sondern auch ein wichtiges Signal: Frauenrechte bleiben ein zentraler Bestandteil linker Politik – entschlossen, solidarisch und laut.

