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Foto: privat

Gedenkveranstaltungen in Hecklingen und Staßfurt

Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Seit der damalige Bundespräsident Roman Herzog im Jahr 1996 diesen 27. Januar zum Gedenktag ausgerufen hat, finden Mahn- und Gedenkveranstaltungen am Ehrenmal in Hecklingen auf Einladung der Partei DIE LINKE und des Bürgermeisters statt. Genossin Charlotte Freist hat in diesen Jahren die Verantwortung für die Organisation übernommen.

In seiner Rede in Hecklingen mahnte der Bürgermeister Uwe Epperlein von der Wählergemeinschaft, als Demokraten zusammenzustehen und an diesen Wahnsinn der Vergangenheit zu erinnern. Als junger Mensch habe er Stätten des faschistischen Terrors besucht. Die Eindrücke, die er an diesen Orten vom perversen Zynismus und nationalsozialistischen Terror bekam, werde er nie vergessen. Er forderte die anwesenden Teilnehmer auf, sich morgen und übermorgen und an den vielen folgenden Tagen für Demokratie und Freiheit, gegen Rassenhass und Ausländerfeindlichkeit einzusetzen, das seien wir den vielen Opfern schuldig.

Auf der sich anschließenden Gedenkveranstaltung in Staßfurt, eingeladen vom Ortsverband der LINKEN, sprach der Ortsvorsitzende Klaus Magenheimer zu den Anwesenden mit den einleitenden Worten: „Das Gedenken an die 65 Millionen Opfer des zweiten Weltkrieges, darunter 6 Millionen europäische Juden, kann nicht die Aufgabe eines Tages im Jahr und auch nicht nur die Bewertung von etwas geschichtlich Abgeschlossenem sein, sondern muss Daueraufgabe für alle demokratischen Kräfte in unserer Gesellschaft bleiben.“ Überlebende dieses Naziterrors erinnern uns daran, dass es keinen Schlussstrich unter dieses Menschheitsverbrechen geben darf. Sie appellieren an uns alle die Verantwortung tragen, dafür zu sorgen, dass dergleichen nie wieder geschieht. In jedem Land, an jedem Ort und erst recht in Deutschland dürfen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassenwahn die Gesellschaft nicht vergiften, und wer den Hass schürt muss jederzeit mit dem Widerstand des Staates und der anständigen Bürger rechnen. Die Erinnerung an diese furchtbaren Verbrechen darf auch 75 Jahre danach nicht enden. Vor Jahren bekamen Opfer dieser leidvollen Vergangenheit aus Staßfurt auf Initiative von Dr. Reuter wieder Gesichter. Durch das Aufspüren von Lebenswegen und das Verlegen von Stolpersteinen gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig wurde Geschichte aufgearbeitet und der Opfer gedacht. Schülerinnen und Schüler, sowie Lehrerinnen und Lehrer des Dr. Frank - Gymnasiums, der Hermann - Kasten - Schule und der Tierparkschule kümmern sich weiter um die verlegten Stolpersteine. Wir finden es auch wichtig, dass Schülerinnen und Schüler während ihrer Schulzeit durch staatliche Förderung in Form von Studienfahrten die Stätten des Grauens besuchen und sich persönlich einen Eindruck vom damaligen verbrecherischen Geschehen machen können.

Im Gedenken an die Opfer erinnerte der Redner an den Schwur der Überlebenden des KZ Buchenwald: „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, nie wieder Nazismus!“ Sie gründeten 1947 den Bund der Antifaschisten - die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN - und sind wesentlich beteiligt daran, dass das verbrecherische Kapitel deutscher Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Um so erstaunlicher ist es, dass durch den Staat die Gemeinnützigkeit aberkannt werden soll. Sie werden dadurch von ihrer Tätigkeit gegen das Vergessen abgehalten. Wir als wahre Demokraten dürfen dies nicht zulassen. Der Ortsvorsitzende bezog sich auf die Rede des Bundespräsidenten Steinmeier in Israel aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz, in der dieser sich ausdrücklich zur Verantwortung Deutschlands für diese ungeheuerlichen Taten bekannte. Er wünschte sich sagen zu können: "Wir Deutschen haben für immer aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten. Wenn nur eine schwere Holztür verhindert, dass ein Rechtsterrorist in einer Synagoge ein Blutbad anrichtet." Dies ist nur ein Beispiel für zunehmende Gewalt gegen Andersdenkende, gegen andere Rassen und zunehmend gegen Flüchtlinge. Noch lebende Überlebende des Holocaust zweifeln daran, dass die Menschheit aus der Geschichte gelernt hat. Der Redner ermutigte die Anwesenden mit der Aufforderung: "Lasst sie nicht Recht haben und lasst uns gemeinsam und parteiübergreifend das Gegenteil beweisen! Heute haben wir die Gelegenheit und Verpflichtung genau hinzuschauen, sich dagegenzustellen und Rassismus bereits am Anfang in die Schranken zu weisen. Gerade bei der Bewältigung großer Herausforderungen dürfen wir es nicht zulassen, dass die Gesellschaft nach rechts rückt. Parolen sollten als Parolen enttarnt werden.“

In Anwesenheit des Oberbürgermeisters Sven Wagner und des Ortsvorsitzenden der SPD, Michael Hauschild, sprach Klaus Magenheimer auch des Fehlen von ausreichenden Finanzmitteln zur Lösung der kommunalen Aufgaben an und kritisierte die unermesslichen Ausgaben des Staates für die Rüstung und den ungebremsten Waffenexport, durch den wiederum neue Flüchtlingswellen erzeugt werden. Mit einer Minute stillen Gedenkens endete die Veranstaltung auf dem Staßfurter Friedhof.