Wenn Kita ausfällt, fällt Bildung aus
Der Kita-Gipfel am 20. November 2025 in Berlin, der von der Bundestagsfraktion Die Linke initiiert wurde und an dem unter anderem Eva von Angern, Dr. Silvia Ristow und Henriette Krebs teilnahmen, machte deutlich, dass die frühkindliche Bildung in Deutschland vor massiven strukturellen Herausforderungen steht. Fehlende Kita-Plätze gehen nicht nur zulasten von Familien und Alleinerziehenden, sondern haben auch erhebliche wirtschaftliche Folgen: Jährlich gehen rund 1,2 Milliarden Teilzeit-Arbeitsstunden verloren. Daraus ergibt sich ein klares Interesse an einer verlässlichen und auskömmlichen Finanzierung der Kitas sowie an der Sicherung und Verbesserung der Personalstandards.
Der bundesweite Fachkräftemangel, regional unterschiedlich ausgeprägt, wird durch zusätzliche Aufgaben wie die Digitalisierung weiter verschärft. Kurzfristige Kita-Schließungen, Platzmangel und unzuverlässige Öffnungszeiten sind keine Einzelfälle, sondern strukturelle Probleme. Eltern benötigen Planungssicherheit, um Erwerbsarbeit und Familie vereinbaren zu können. Praxisberichte zeigten, dass Eltern teils erst morgens erfahren, ob die Betreuung stattfindet – mit gravierenden Folgen bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.
Prof. Dr. Nikolaus Meyer (Hochschule Fulda) beschrieb eine zunehmende institutionelle Überforderung und „soziale Kälte“. Unterschiedliche Regelungen in 16 Bundesländern, zu große Gruppen und Zeitmangel führen dazu, dass Erzieher*innen strukturelle Defizite individuell ausgleichen müssen. Studien belegen eine hohe Überlastung des Personals sowie den Verlust von Zeit für Beziehungsarbeit zugunsten technokratischer Steuerungsinstrumente.
In der Abschlussrunde wurde betont: Kitas sind die Grundlage für Bildung und Schulfähigkeit. Gefordert wurden bundesweit einheitliche Standards, ein verbindlicher Personalschlüssel, eine Reform der Ausbildungsfinanzierung (BAföG), die Stärkung der Kinderrechte – auch im Grundgesetz – sowie eine nachhaltige Finanzierung der Kitas, etwa durch eine Arbeitgeber-Umlage. Sinkende Kinderzahlen sollen als Chance zur Qualitätsverbesserung genutzt werden.
Auf Grundlage der Erfahrungen und Berichte des bundesweiten Kita-Gipfels wird die Landtagsfraktion in Kooperation mit der Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Heidi Reichinnek, im Mai 2026 einen landesweiten Kita-Gipfel in Sachsen-Anhalt initiieren. Ziel ist es, gemeinsam mit Gewerkschaften, betroffenen Erzieher*innen und Eltern spezifische Lösungen für Sachsen-Anhalt zu erarbeiten – unter anderem, um das Land aus der Schlusslicht-Position beim Betreuungsschlüssel zu führen, Fachkräfte zu halten, die Qualität in den Kitas zu verbessern, Eltern zu entlasten und Kindern die bestmögliche Zeit in der Kita zu ermöglichen.

