Arbeit und Armut
Zur Studie von Thomas Rhein, Experte am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), über Arbeit und Armut im transatlantischen Vergleich erklärt die Bundestagsabgeordnete Elke Reinke (DIE LINKE):
"Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen das, was ich als LINKE seit längerem sage: Armut trotz Arbeit ist schon lange keine Randerscheinung mehr!
Zwischen 1999 und 2005 hat sich der Anteil an Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit durch Armut gefährdet sind, verdoppelt. Fünf Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland droht derzeit trotz eines Vollzeitjobs ein Abrutschen unter die Armutsgrenze. Diese erschreckende Zahl wird angesichts der aktuellen Finanzkrise sicherlich weiter steigen.
Ursache allen Übels ist die ungleiche Verteilung von Löhnen und Einkommen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Der Niedriglohnsektor hat sich in den vergangenen Jahren sprunghaft ausgeweitet. Durch Aufweichen von Tarifbindungen zahlen immer mehr Arbeitgeber Löhne weit unter Tarif. Geringerqualifizierte Menschen haben kaum eine Chance, auf den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen, aber ihre Existenz als "Reservearmee" übt zusätzlichen Druck auf die Beschäftigten aus und lässt Löhne weiter sinken. In vielen Branchen, zum Beispiel im Handel, werden oft nur noch Niedriglöhne gezahlt.
Doch Hungerlöhne bremsen den Konsum und schwächen die Binnenmärkte. Ich fordere daher eine gerechte Verteilung der Erwerbseinkommen. Wir brauchen endlich einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,71 Euro wie in Frankreich, der in schnellen Schritten auf 10 Euro steigt.
Dadurch ließe sich auch verhindern, dass immer mehr Menschen ihr viel zu geringes Erwerbseinkommen durch Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II aufstocken müssen.
Branchenmindestlöhne allein führen zu einem unübersichtlichen Flickenteppich. Außerdem erreichen sie oft keine Existenz sichernde Höhe, von der man menschenwürdig leben kann.
Ich appelliere auch an die Gewerkschaften, fast 20 Jahre nach der Vereinigung gegen Lohngefälle zwischen West und Ost anzukämpfen.
Eine parlamentarische Mehrheit im Bundestag für den gesetzlichen Mindestlohn wäre vorhanden, wenn es die SPD mit dem Anliegen wirklich ernst meinen würde. Koalitionszwänge dürfen hier nicht immer als Ausrede dienen. Denn dafür ist das Ziel, der stetig wachsenden Armut trotz Arbeit endlich einen Riegel vorzuschieben, zu wichtig."
Die Studie findet sich unter http://doku.iab.de/kurzber/2009/kb0109.pdf .
