Staßfurt darf keine Polizeistadt werden! – Deutschland kein Polizeistaat!
Zum Vorhaben der Stadt Staßfurt, Angestellte der Stadt gemeinsam mit der Polizei auf Streife zu schicken, erklärt Ralf-P. Schmidt
Zur Verbesserung von Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit – wie es im Artikel heißt, tragen aus meiner Sicht nicht Polizei und Ordnungsamt bei, sondern Erziehung, Wertebildung, Einsichtenentwicklung, damit also Kindergarten, Schule, Hort, Elternhaus und die Qualität der Kinder- und Jugendarbeit in einer Kommune. Der Ruf nach Polizeistreifen, Videoüberwachung und Verboten an Plätzen und Orten befriedigt das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nur scheinbar, verschieben diese Maßnahmen doch nur die Problemlagen an andere Plätze und Orte in Kommune und Gesellschaft.
Vielmehr fehlen mir in der kommunalen und gesellschaftlichen Debatte dazu die kritische Prüfung zu den Fragen der Zukunft und Chancengleichheit von Kindern, Jugendlichen und eben auch ihrer Eltern. Kommunalpolitiker und Verantwortungsträger sind gut beraten, wenn sie auf ihre JugendarbeiterInnen und Jugendlichen hören, ihnen zuhören, wo der „Schuh drückt“. Auch in Staßfurt wird sich nicht ausreichend mit der Frage der Finanzsicherheit von Jugendprojekten, Ausbildungschancen, dem Einsatz von Fachkräften beschäftigt. Die Qualitätsprüfung der Angebote der aktuellen Arbeit von Kita, Schule und Freizeit folgt eben keine zügige Anpassung an sich ständig gesellschaftlich wandelnde Generationen, mit neuen Bedürfnissen, Forderungen und eben auch neuen Defiziten.
Auch sollte ein Kostenvergleich helfen zur Realität in Staßfurt zurückzufinden. Dieser Kostenvergleich sollte betrachten, was Videokameraanschaffung und – betrieb, Überwachung und Streife in doppelter Besetzung gegenüber einem fachlich fundierten Angebot der Kinder- und Jugendarbeit, eines Streetworkers, der nicht sanktioniert sondern helfend respektiert und verändert, gegenüber attraktiven Angeboten als Alternative zu Verunreinigung und Bushaltestellentreff hervorbringt. Dies setzt neben der Finanzbetrachtung natürlich auch eine fachlich-idielle Herangehensweise voraus.
Ich behaupte und weiß aus sozialpädagogischer Sicht – die Jugendarbeit ist nicht nur „kostengünstiger“ sondern auch längerfristig wirksamer, da sie verinnerlicht – eine Videokamera oder Streife eben nicht.
Staßfurt, der Stadtrat sollten auch diese Debatte führen!
